Die Meisterbogen von Finkel

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Die Geheimnisse eines guten Bogens stecken in der Holzqualität und in der Verarbeitung. Ein Bogenmacher sieht die Besonderheiten des Holzes, muss es fühlen, verstehen, wertschätzen. Jeder Bogen hat seine Eigenheiten, jedes Stück Holz braucht einen besonderen Umgang. Holz ist ein lebendiges Material und verändert sich im Laufe des Prozesses. Ein Rezept nach Buch gibt es nicht, jeder Bogen stellt neue Anforderungen. Richtig gut biegen, so sagen Insider, kann man erst nach 20 Jahren im Business.

Fernambuk Holz ist stark und gleichzeitig elastisch, die Fasern wachsen abwechselnd links- und rechtsdrehend um die Stammachse.

Ein Goldbogen ist nicht aufgrund des verwendeten Goldes so edel, sondern wegen der Holzqualität.

Flexibilität, Gewicht und Spannkraft sind wichtige Merkmale eines guten Bogens. Es gibt nicht viele Hölzer, die sich zur Herstellung eignen, genau genommen ist nur Fernambuk stark und gleichzeitig elastisch genug, um den Anforderungen zu genügen. Bogenmacher und Musiker schwören auf das Tropenholz, das nur in Brasilien wächst und heute unter strengem Schutz steht. Der berühmte französische Bogenmacher François Xavier Tourte hatte es im Bogenbau Ende des 18. Jahrhunderts etabliert und damit eine Revolution ausgelöst. Das rötliche Holz war zuvor in Europa vor allem als Färbemittel bekannt gewesen.

Fernambuk wächst langsam und bedächtig, wodurch es seine Dichte gewinnt, aber auch einiges an Überraschungen ansammelt, denn die Faserungen verlaufen unregelmässig und häufig leicht verdreht. Im Gegensatz zu anderen Holzarten verliert Fernambuk seine Form nach der Abkühlung nicht mehr – die perfekte Biegung ist das A und O der Bogenmacherkunst. Ein Bogen muss flexibel sein und dennoch einigem Druck standhalten, nur so lässt sich das Spektrum der Klangfarben voll ausschöpfen. Bereits in der Auswahl des Holzes gibt es Nuancen, zu welcher Qualität von Bogen ein bestimmtes Stück wirklich taugt, zeigt sich jedoch oft erst nach vielen Arbeitsschritten.

Unzählige Male wird der Rohling behutsam erwärmt und wieder gebogen, erwärmt und gebogen, gehobelt und geraspelt, wieder erwärmt und wieder gebogen – bis das Holz exakt die gewünschte Form hat. Nur wenige der Stangen aus höchster Holzqualität entpuppen sich zum Schluss als das Beste vom Besten. Ein Goldbogen ist nicht aufgrund des verwendeten Goldes so edel, sondern wegen der Holzqualität.

Die perfekte Biegung
ist das A und O
der Bogenmacherkunst.

Violinbows

No.180GEM

D.S.Finkel

Violinbows

No.460GEM

M.Fischer

Cellobows

No.380GEM

D.S.Finkel

weitere Modelle aus unserer Kollektion

Violinbogen
Violabogen
Cellobogen

Ein Bogen muss flexibel sein und dennoch einigem Druck standhalten,
nur so lässt sich das Spektrum der Klangfarben voll ausschöpfen.

«Jedes Holz ist anders. Man muss auf das Holz eingehen – das kann die Maschine nicht.»

Johannes Finkel

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Bogenmachen – eine Familienangelegenheit

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Die Geschichte der Finkel Bogen reicht zurück ins 19. Jahrhundert und ins deutsche Städtchen Markneukirchen. Dort fertigte Ewald Weidhaas (1860 – 1939) seine Bogen an. Sohn Paul Weidhaas (1894 – 1962) übernahm nach Wanderjahren mit Stationen in Paris, Leipzig und Amsterdam den Betrieb des Vaters. Paul Weidhaas gehörte zu den besten Markneukirchner Meistern seines Handwerks – das Städtchen im Südwesten von Sachsen hat sich seit Mitte des 17. Jahrhunderts zu einer Hochburg des Instrumentenbaus entwickelt. Zuerst waren es böhmische Geigenbauer, die ihr Wirken unter Beweis stellten, bald wurden alle möglichen Orchesterinstrumente, Zupfinstrumente, Mund- und Handharmonikas wie auch Bogen gefertigt. Heute gehört Markneukirchen mit seinen über 100 Werkstätten zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

Five Generations of Finkel-Weidhaas

Ewald
Weidhaas

1869-1939

Paul
Weidhaas

1894-1962

Siegfried
Finkel-Weidhaas

1927-2010

Johannes
Finkel

1947

Daniela
Finkel

1987

Paul Weidhaas gehörte zu den besten Markneukirchner Meistern seines Handwerks.

Paul Weidhaas in seinen
ersten Wanderjahrenbei Bogenmeister
Victor Fetique Paris, Frankreich.

Die modernen Finkel Bogen sind mit der Tradition des sächsischen Streichbogenbaus aufs engste verbunden. Die Familiengeschichte nahm jedoch Mitte des 20. Jahrhunderts eine geografische Wende – die dritte Generation der Bogenmacher-Familie verliess Markneukirchen. Pauls Tochter Hanna Weidhaas hatte kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs den jungen Siegfried Finkel kennengelernt (1927 – 2010). Siegfried Finkel trat bei seinem Schwiegervater die Lehre als Bogenmacher an. Nach Einzug des Kommunismus in Markneukirchen zogen Siegfried und Hanna mit ihrem Sohn Johannes (1947) im Jahre 1952 in die Schweiz, der Schwiegervater hatte die junge Familie zu diesem Schritt gedrängt. Die Nähe zur Geigenbauschule Brienz gab den Ausschlag für die Ansiedlung im Berner Oberland, es brauchte jedoch grosse Zielstrebigkeit und eisernen Willen, in der neuen Heimat ein florierendes Geschäft aufzubauen.

Johannes Finkel lernte das Handwerk von seinem Vater und erweiterte sein Wissen und seine Fertigkeiten während mehrerer Wanderjahre, die ihn nach London zu J. & A. Beare führten, nach Los Angeles zu Hans Weisshaar und nach Philadelphia zur Firma William Moennig & Son. Nach der Rückkehr arbeiteten Johannes und Siegfried gemeinsam in der Werkstatt in Schwanden und bauten das gute Renommee der Finkel Bogen weiter aus. 1984, nach der Pensionierung von Siegfried Finkel, übernahm Johannes die Werkstatt. Unterdessen steht bereits die fünfte Generation in den Startlöchern: Daniela (1987), die Tochter von Marianne und Johannes Finkel, hat sich ebenfalls zur Bogenmacherin ausbilden lassen und bereitet sich derzeit auf die Übernahme des Geschäfts vor. Damit schlägt sie das jüngste Kapitel des schweizweit einzigartigen Handwerksbetriebs auf.

Ein alter Bogen mit den Ornamenten von Siegfried Finkel-Weidhaas.

Wir geben jedem Bogen
gleichviel Wert, egal, ob es
ein Studentenbogen
oder ein Goldbogen ist.

Daniela Finkel

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Obschon ein Bogen auf den ersten Blick einfach erscheint, erfordert er viele komplexe Arbeitsschritte. Neben dem Biegen sind auch verschiedene feinhandwerkliche Prozesse gefragt, etwa die Fertigung des Froschs oder die Befestigung der Haare. In der Bogenwerkstatt Finkel erleichtern verschiedene, speziell umgebaute Maschinen gewisse Arbeitsschritte, um die Effizienz zu steigern. Viele Handgriffe übersteigen aber das, was ein Gerät kann: Nur das menschliche Auge ermisst die richtige Biegung des Bogens und nur von Hand lässt sich beurteilen, welchen Druck er aushält. Denn dazu sind zwei Eigenschaften nötig, über die auch höchst präzise Maschinen nicht verfügen: Gefühl und Erfahrung.

Aus der Werkstatt

Die einen machen,
die andern spielen
– beide zaubern.

Die Bogenmacher: Daniela Finkel, Menk Lüthi, Daniel Ernst, Markus Fischer

Ein guter Bogenmacher muss nicht zwingend auch selber gut Geige spielen können. Die Mitarbeiter der Werkstatt Finkel haben zwar durchaus ein Flair für Musik, es gibt jene, die selber Geige spielen oder spielten, wie auch jene, die ratlos die Hände verwerfen beim Anblick einer Violine und solche, die sich musikalisch mit Schlagzeug, Gitarre oder Alphorn auskennen. Viel wichtiger in der Werkstatt sind das Auge, die manuelle Fertigkeit, das Gefühl und die Erfahrung. Die Bogenmacher tragen die Musik sozusagen auf Händen. Durch ihr Handwerk erhalten die Bögen jene Stärke und Elastizität, die den guten Klang ausmachen. Auch die Zusammenarbeit im Team spielt eine wichtige Rolle, nicht für jedes Problem findet sich auf Anhieb eine Lösung, Ideen und gegenseitige Tipps sind gefragt.

Obschon die Tradition seit vielen Jahren weitergeführt wird und jeder Bogenmacher seine eigene Fertigung mit der Zeit zu einer persönlichen Handschrift entwickelt, es entsteht auch immer wieder Neues und die Handwerker bringen sich gegenseitig weiter. Den allerletzten Schliff erhält jeder Bogen von Werkstattleiter Markus Fischer – aus dieser Summe verschiedener Kräfte setzt sich die Perfektion der Finkel Bögen zusammen und spiegelt sich zusammen mit dem Knowhow der Musiker im vollendeten Klang. Die einen machen, die andern spielen – beide zaubern.

Seit 36 Jahren in der Werkstatt: Markus Fischer machte seine Lehre bei Finkels und arbeitet heute als Werkstattleiter.

Interview mit Markus Fischer

Das Geheimnis der Details

Jeder Bogenmacher hat seinen eigenen Stil. Wie lässt sich ein Bogen von dir charakterisieren?

Das kann ich nicht wirklich beschreiben, natürlich gibt es gewisse Merkmale oder auch Vorbilder, an denen man sich orientiert, die einen fertigen beispielsweise den Kopf des Bogens etwas runder, die anderen kantiger, aber letztlich hat jeder seine ganz eigene Idee, wie ein Bogen auch in seinen kleinsten Details aussehen muss.

Der persönliche Stil verändert sich wohl auch über die Jahre?

Wenn ich Bogen anschaue, die ich vor 20 Jahren gemacht habe, dann sehe ich viele Kleinigkeiten, die ich heute anders angehe. Manchmal nimmt man sich ganz bewusst vor, etwas zu verändern oder neu auszuprobieren. Aber das meiste geschieht unbewusst, die Sachen verändern sich einfach – und diese Details sind auch nicht messbar, ein Laie sieht das nicht, es sind Nuancen, die dem Endprodukt eine persönliche Unterschrift geben.

Vieles hat mit dem Auge und dem Fingerspitzengefühl zu tun, lässt sich das trainieren?

Nicht direkt. Es gibt Sachen, die von der Ästhetik her einfach stimmen, manche Leute sehen das, andere nicht. Natürlich erreicht man mit Interesse und Routine sehr viel, aber letztlich ist es wie in jedem Beruf: Es muss einfach passen. Was mich persönlich angeht, war es schlicht Glück, ich habe hier in der Werkstatt Finkel eher durch Zufall die Lehre gemacht und bin nach 36 Jahren immer noch mit Freude dabei. Wobei auch das Team wichtig ist für das Endprodukt, man vergleicht, schaut sich einiges ab und gibt sich gegenseitig Tipps.

Und wo holt ein Bogenmacher die Inspiration her?

Das Mass aller Dinge ist für mich die Natur, darüber kann ich immer wieder staunen, auch bei ganz kleinen Dingen, vielleicht bei einer Blume oder bei einem Stück Holz. Die Natur macht es immer perfekt fürs Auge.

Die Bogen der neuen Kollektion «Zeitgeist» verbinden
altes Handwerk mit modernem Design.
Erhältlich ist die Linie als Violin-, Viola- und Cellobogen.

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